05.04.2016

Bachelor und Gesellenbrief

Bachelor und Gesellenbrief. (Foto: Threesixty http://tiny.cc/2briay CC BY-NC-SA 2.0)

Bachelor und Gesellenbrief. (Foto: Threesixty http://tiny.cc/2briay CC BY-NC-SA 2.0)

Der Landesverband richtete Mitte März ein Skill- und Themenseminar aus. Dabei ging es zum einen um die Akademisierung von Handwerksberufen. Außerdem konnten die Teilnehmer ihre Kampagnenfähigkeiten trainieren. Von Simon Hartmann und Linus Stieldorf

Ein ganzes Wochenende war der Landesverband zu Gast in den Seminarräumen der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Während draußen das Bergische Land noch im kalten Winterschlaf zu schlummern schien, machten sich die Studierendenvertreter im liberalen Tagungszentrum mit Feuereifer daran, ausführlich über Hochschulpolitik zu diskutieren.

Im Fokus der inhaltlichen Arbeit stand die neue Akademisierungstendenz des Handwerkes. Seit einiger Zeit werden klassischen Ausbildungsberufe durch neue Bachelorstudiengänge ergänzt. Welche Konsequenzen die steigenden Studierendenzahlen mit sich bringen und welche Folgen das für den Arbeitsmarkt hat, diskutierten die Teilnehmer mit Experten aus Wissenschaft und Handwerk.

Nur wenige Bachelor machen Gesellen Konkurrenz

Mit vielen Grafiken versuchte Nils Rademacher-Nittelmann vom Landesamt für Statistik die Entwicklung zu veranschaulichen. Für das Thema des Seminares waren vor allem zwei Erkenntnisse wichtig. Zum einen würden Personen, die eine Berechtigung zu studieren erhalten, meistens auch ein Studium aufnehmen. Deren Zahl sei in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Zum anderen sei aber unklar, inwieweit Azubis von diesem Prozess betroffen seien. Die Frage eines Teilnehmers, ob Gesellen durch Bachelorabsolventen verdrängt würden, beantwortete Rademacher-Nittelmann ausweichend: „Bevölkerungszahlen sind manchmal unberechenbar.“ Dennoch geht der Statistiker von einer geringen Zahl aus.

Teilnehmer beim Skill- und Themenseminar des Landesverbandes (Foto: privat)

Teilnehmer beim Skill- und Themenseminar des Landesverbandes (Foto: privat)

Neben der Stimme aus der Wissenschaft brachte Jörg von Pohlheim seine praktischen Erfahrungen ein. Der gelernte Bäckermeister und Initiator des Verbandes „Liberaler Handwerker“ räumte mit vielen Vorurteilen auf. Mehrfach betonte er, dass sich das Handwerk entscheidend gewandelt habe. „Der KFZ-Mechaniker von früher ist mit dem heutigen KFZ-Mechatroniker kaum noch zu vergleichen“, erklärte von Pohlheim: „Schließlich hat der Golf GTI heute auch nicht mehr viel mit einem Käfer aus dem Jahr 1960 gemein.“ Allerdings sei es für viele Abiturienten undenkbar, eine Ausbildung zu beginnen. Das Handwerk genieße in der Gesellschaft immer noch nicht das gleiche Ansehen wie ein Studium. Zudem würden vielen Azubis verschiedene Privilegien verweigert, die für Studierende ganz selbstverständlich seien.

Die anwesenden Studierendenvertreter nahmen die Expertengespräche zum Ausgangspunkt für ihre programmatische Arbeit. In mehreren Arbeitsgruppen wurden Thesenbausteine formuliert. Die Thesenpapiere sollen als Anträge in die nächste Mitgliederversammlung eingebracht werden.

Hochschulpolitik trainieren

Im zweiten Teil des Seminars hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten für die Arbeit in den Ortsgruppen zu verfeinern. In vier Workshops referierten Praktiker aus dem Verband über Öffentlichkeitsarbeit, wiesen in die Erstellung eines Wahlprogrammes ein oder erläuterten, wie Kampagnen geführt und finanziert werden können. Die Zusammenfassungen können beim Landesvorstand angefragt werden.

Das Seminar war von Katharina Sprott vom Landesverband und Linus Stieldorf von der Friedrich-Naumann-Stiftung organisiert worden. Sprott zog ein überaus positives Fazit: „Ich freue mich besonders über die vielen Projekte, die auf dem Seminar entwickelt wurden und nun von den einzelnen Hochschulgruppen umgesetzt werden.“ Dafür machte sie vor allem die tolle Arbeitsatmosphäre, aber auch den wichtigen Input der Experten verantwortlich. Auch für den Landesvorstand wird das Seminar ein Nachspiel haben: „Uns hat das Wochenende so sehr überzeugt, dass wir die Organisation eines weiteren Seminars in Angriff nehmen.“ Dieses soll voraussichtlich im Oktober erneut in der Theodor-Heuss-Akademie stattfinden.