02.11.2015

Meinung: Latinum für gute Lehrer?

Das Latinum ist für angehende Lehrer eine nützliche Qualifikation, meint Joachim Krämer. Der Lehramststudent hält Latinkentnisse jedoch nicht für eine notwendige Bedingung, um ein Studium aufzunehmen. Von Joachim Krämer

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Joachim Krämer will mehr Wahlfreiheit für Lehrämtler. (Foto: Julis Köln)

Latein ist die Grundlage für viele Sprachen. Nicht nur die romanischen Sprachen stammen vom Lateinischen ab und lassen sich dadurch viel leichter verstehen. Auch Sprachen wie Deutsch und Englisch lassen sich in ihrer Grammatik und Struktur durch Latein leicht erschließen. Wer sich beruflich mit Sprachen beschäftigt, hat keinen Nachteil, sondern womöglich sogar einen starken Vorteil durch intensive Lateinkenntnisse.

Was gute Lehrer ausmacht
Wer sich beruflich mit Schülern beschäftigt, hat einen großen Vorteil, wenn er nicht nur Ahnung von seinem Unterrichtsfach besitzt, sondern neben ausreichender Motivation auch über Kenntnisse in Didaktik und Pädagogik verfügt. Für angehende Lehrerinnen und Lehrer trifft selbstverständlich beides zu.

Natürlich befasst sich der Spanischunterricht mit dem grammatikalischen Aufbau dieser Sprache. Allerdings wird es für den Lehrerberuf an sich bedeutender sein, wie der Stoff vermittelt werden kann und wie umfassend die didaktische Qualifikation des Lehrers ist. Im Studium selbst ist es für angehende Lehrer sowie deren zukünftige Schüler wichtiger, dass diese Kenntnisse und Fähigkeiten im Studium erlangt werden, als dass ein Latinum – welches später ohne konkreten Nutzen bleibt – durch ein zeitaufwendiges Studium nachgeholt wird.

Latinum als zusätzliche Qualifikation
Das Latinum wiederum neben dem Abitur zur notwendigen Bedingung zu machen, um überhaupt ein Lehramtsstudium zu beginnen, schafft eine zusätzliche Hürde. Wer auf Lehramt studieren möchte, weiß dieses nicht immer schon in der 10. Klasse und wird es schwerlich haben, in der Regelstudienzeit seinen Bachelor zu absolvieren. Zeit und Raum im Studium, welcher für den Erwerb ausreichender Lateinkenntnisse aufgewandt werden muss, ist im Hinblick auf die Berufsperspektive effektiver in Didaktik und die Literatur- und Sprachwissenschaft der Fachsprache an sich investiert.

Die Bedeutung des Lateinischen als zusätzliche, freiwillige Qualifikation für das Studium und den Beruf bleibt dabei weiterhin wünschenswert und hilfreich. Ein Zwang dazu, erschließt sich jedoch nicht.


Die hier veröffentlichte Meinung spiegelt nicht unbedingt die Beschlusslage der LHG Nordrhein-Westfalens wider. Die Redaktion stellt den Autoren frei, welche Form der geschlechtergerechten Sprache sie verwenden möchten. (Red.)


Zur Person

Joachim Krämer studiert Deutsch und Sozialwissenschaften auf Lehramt an der Universität Köln. Das Latinum hat er selbstredend erworben. Joachim ist Besitzer im Landesvorstand der Julis NRW und dort zuständig für den Kontakt zur LHG.