26.09.2008

Professoren an die Hauptschule!

Am heutigen Freitag wird in Berlin der große Report „EUROSTUDENT“ von HIS,
Bundesbildungsministerium und EU-Kommission vorgestellt. Dieser stellt fest, dass
Studierende aus bildungsfernen Elternhäusern an deutschen Hochschulen stark unter
repräsentiert sind.
Der Landesverband liberaler Hochschulgruppen NRW fordert aus diesem Grund einen
sofortigen Aktionsplan für mehr Bildungsgerechtigkeit. Der Landesvorsitzende Rainer
MATHEISEN sagt: „Die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen aus bildungsfernen
Schichten ist den meisten Professoren gar nicht mehr bekannt. Viele Haupt- und
Realschüler haben von Haus aus keine Vorstellung davon, welche Chancen und
Möglichkeiten ein Studium bietet. Daher fordern wir, dass zukünftig alle Professoren
einmal in ihrer Laufbahn für sechs Monate an einer Haupt- oder Realschule ein
Praxissemester absolvieren sollen. Dadurch lernen Professoren die Probleme junger
Menschen kennen, die von Haus aus nicht an eine akademische Ausbildung
herangeführt werden und können dies in ihrer Lehre berücksichtigen. Und die Schüler
bekommen neue Perspektiven aufgezeigt und werden zu Abitur und Studium
ermuntert. Die Professoren müssen endlich aus ihren Elfenbeintürmen geholt
werden.“
Weiterer Eckpunkt eines sofortigen Aktionsplans sollen nach Ansicht der liberalen
Studierenden der Aufbau eines nationalen Stipendiensystems, Mentorenprogramme
von Studierenden für Schüler aus bildungsfernen Schichten, sowie eine breit
angelegte Informationskampagne an allen weiterführenden Schulen sein.
„Wir können nicht akzeptieren, dass weniger als die Hälfte der deutschen
Studierenden bildungsfernen Milieus entstammt, gerade mit Blick auf die
demographische Entwicklung können wir nicht mehr so viele junge Menschen vom
Studium ausschließen, sonst ziehen im internationalen Wettbewerb Länder wie
Finnland oder die Niederlande uneinholbar an uns vorbei.“, ergänzt MATHEISEN.
Finnland hatte im Report „EUROSTUDENT“ einen Studierendenanteil aus
bildungsfernen Milieus von 96% erreicht, in den Niederlanden ist dieser Anteil mit
104% sogar noch höher.